Warum mich meine Verletzung nicht aus der Bahn werfen konnte

Der erste Schock war groß: Großer Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich (L5/S1), eine Woche Krankenhaus, Schmerzmittel ohne Ende. Extreme Bewegungseinschränkung, Taubheit im rechten Bein, Fortbewegung war nur sehr schleppend und durch Humpeln möglich, da die Ansteuerung des rechten Beins nicht optimal funktionierte. Das alles passierte eine Woche vor den Sommerferien, die Vorfreude auf meinen Urlaub in Portugal war groß, mein Training und die Ernährung liefen so gut wie nie zuvor: 10×10 Kniebeugen im 4010 Tempo (4 Sek. für die exzentrisch Bewegung) mit 60kg; meinen Körperfettanteil konnte ich in den letzten 4 Monaten um 7,4% senken. Dann die Verletzung und die Sorge, lange keinen Sport mehr machen zu können. Nach dem Krankenhaus begann der Ärztemarathon: Vier Meinungen, vier Mal die Empfehlung eine Operation machen zu lassen, denn ohne die würde ich im Alltag nicht ohne Schmerzen klarkommen. Mit oder ohne OP wären mindestens drei Monate ohne Training sicher, Physiotherapie auch nur sehr eingeschränkt, da ich behandelt werden müsste wie „ein rohes Ei“. Trotzdem entschied ich mich vorerst gegen eine OP und wollte durch die konservative Therapie wieder fit werden. Obwohl ich mich auch drei Wochen nach der Verletzung kaum bewegen konnten, hatte ich großes Vertrauen in meinen Körper. Ich war feste davon überzeugt, es aus eigener Kraft zu schaffen.

Zum Glück bin ich auch an einen Physiotherapeuten geraten, der der Meinung war, dass ich mich in naher Zukunft wieder ohne Einschränkungen bewegen kann und der mich nicht mit Samthandschuhe behandelt hat. Auch ein angepasstes Training wäre nach wenigen Wochen wieder möglich. Mein Trainer hat mir bereits sehr schnell das „GO“ für mein Oberkörpertraining gegeben. Durch das Vertrauen meines Physios und meines Trainers und die Unterstützung meines Trainingspartners Marco Giglio, begann ich bereits nach drei Wochen wieder mit meinem Training. Zuerst sehr vorsichtig und moderat, viele Bewegungen waren durch die Schmerzen und die Bewegungseinschränkung im Bein und im Rücken nicht möglich, doch durch Ausprobieren und Hineinfühlen in meinen Körper, wurde schnell klar, dass trainieren trotzdem funktioniert. Nach einigen Einheiten, der Rückschlag, ich wollte zu schnell zu viel, was mir mein Rücken sofort zurückgemeldet hat. Also habe ich mein Training nach kurzer Pause noch vorsichtiger und bedachter, trotzdem herausfordernd gestaltet.

Knapp vier Wochen nach der Verletzung konnte ich wieder Kreuzheben mit der Trapbar, Legcurl, Klimmzüge, Dips, Schulterdrücken, Bankdrücken – natürlich mit angepasstem Gewicht, trotzdem mit ausschlaggebendem Trainingseffekt, nicht nur für meinen Körper. Für meine Psyche war es enorm wichtig, schnell wieder in meine gewohnten Muster zu gelangen. Das Training macht mich glücklich, deshalb ist es vor allem in ungewohnten Lebenssituationen ausschlaggebend für eine Verbesserung der Umstände. Ich bin überzeugt, dass die mentale Einstellung zu einer Verletzung den Heilungsprozess beeinflusst. Mein Bandscheibenvorfall ist keine Lappalie und mir ist bewusst, dass ich wahrscheinlich für immer eine Schwachstelle im Lendenwirbelbereich haben werden, aber ich traue meinem Körper einiges zu, fühle immer wieder in mich rein, reflektiere Bewegungen und deren Einfluss auf meinen Rücken. Dadurch kann ich Übungen und Bewegungen auswählen, die mir guttuen und die mein Körper letztendlich auch dringend braucht.

Heute, knapp 8 Wochen nach der Verletzung, bin ich nahezu schmerzfrei und ich bin der festen Überzeugung, dass der frühe Beginn des Trainings einen Großteil dazu beiträgt. Kreuzheben mit der Trapbar mit 80kg für 5 Wiederholungen oder Klimmzüge mit 12kg Zusatzgewicht für zwei Wiederholungen, trotz Bandscheibenvorfall funktioniert! Du musst deinem Körper nur vertrauen und dich trauen!

Mein Körper hat sich in den letzten 8 Wochen durch die fehlenden Kniebeugen und das nichtvorhandene Cardiotraining natürlich verändert. Durch Disziplin beim Essen, die richtige Supplementierung und mein angepasstes Training nach nur kurzer Verletzungspause habe ich zwar zwei kg Muskeln verloren, konnte aber mein Körperfettanteil nahezu halten. Mein Trainingslevel von vor der Verletzung habe ich natürlich noch nicht wieder erreicht, auch die erste Laufeinheit heute war ernüchternd, trotzdem bin ich guter Dinge, dass es nicht mehr lange dauern wird.

Lass dich nicht runterziehen und von deinem Weg abbringen durch eine Verletzung oder eine Veränderung in deinem Umfeld. Geschehenes kann man nicht rückgängig machen, deshalb sollte man immer versuchen das Beste dabei rauszuholen. Denke positiv und lass dich nicht von deinem Ziel abbringen!

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1 Response
  1. Natina

    Wow 😲 Ich habe nichts gewusst von deiner Verlätzung. Wie ist es passiert ? Bahnscheibenvorfall …!?wodurch kam die ? Es hört sich viel schlimmer als meinem multiple homerus Bruch aber in deiner positive Einstellung zur Genesung habe ich mich auch wiedergefunden. Bei mir sind 6 Monaten nach dem op und ich habe die schulterbewegung beim 85%wieder zurück gewonnen . Zum Gegensatz zu dir habe ich kaum Schmerzen und ich könnte fast sofort nach der Op mein „normales“Leben etwas verhindert weiterführen. Ich bin dir sehr nah und gratuliere deine Stärke und hartenWillen. Es wird bald alles wieder perfekt sein und dein Körper macht bestimmt mit , denke weiterhin positiv und kämpfe weiter und du wirst gewinnen. Ich umarme dich … mit beiden Armen ✌️❤️😜

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